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Ausstellung

DIETER ROTH
DIETER ROTH
Dieter Roth
Übermaltes Plakat, 1979
Weiße Farbe und schwarzer Filzstift auf Plakat
ahlers collection
© Dieter Roth Estate, Courtesy Hauser & Wirth
24. April 2010 - 17. Oktober 2010

DIETER ROTH

Zum 80. Geburtstag

Zum 80. Geburtstag von Dieter Roth präsentiert die Stiftung Ahlers Pro Arte / Kestner Pro Arte in Hannover eine umfangreiche Auswahl von Werken dieses Künstlers. Die Exponate stammen, neben wichtigen Leihgaben, überwiegend aus der ahlers collection.

In der Ausstellung sind neben den typischen Objekten von Dieter Roth Collagen, Zeichnungen, Aquarelle und Druckgraphiken vertreten. Sie alle sind als nie vollendete Dokumente eines Prozesses zu sehen, der permanenten Veränderungen unterworfen war. Wichtig sind vor allem die vielen Bücher und Buchobjekte, die zu den konzeptuellen Ausgangspunkten seines Schaffens zählen.

Dieter Roth wurde am 21. April 1930 in Hannover als Sohn einer Deutschen und eines Schweizers geboren. Maler, Zeichner, Typograph, Dichter, Verleger, Bildhauer, Komponist, Professor - Dieter Roth war im weitesten Sinne des Wortes ein Künstler, der sich immer auf eine „mentale Reise in fiktive Welten“ begab. Von 1947 bis 1951 erlernte er die graphischen Techniken und arbeitete als Werbegraphiker. 1951 gründete er zusammen mit zwei Freunden die Zeitschrift „Spirale“. Später entstanden weitere Zeitschriften, etwa 1975 „la revue por tout“ (Zeitschrift für alles) und 1984 die Fachzeitschrift „Kopics, Kallix und Island“. Seinen ersten Film drehte Roth 1954. Im Jahr 1957 entstand sein erstes Buch, bei dem es sich eher um eine Montage von neo-dadaistischen Elementen, bestehend aus Wörtern und Bildern, handelte. Gleichzeitig war er beteiligt an „Aktionen“, an Happenings und Performances innerhalb der Fluxus-Bewegung der sechziger und siebziger Jahre. Roth unternahm zahlreiche Reisen in Europa und den USA, lebte in Bern, Kopenhagen, New York, Philadelphia, Reykjavik, Stuttgart, Hamburg, Düsseldorf, Basel und Amsterdam, wo er neben seiner künstlerischen Tätigkeit an verschiedenen Institutionen unterrichtete. 1974 veröffentlichte Roth die Ausgaben „Dieter Roth und die Familien“ in „Pictures in zoug“.

Neben Schriften bilden auch Objekte und Assemblagen aus organischen Materialien (u.a. Gewürze, Schokolade, Wurstwaren) einen wichtigen Teil seines Werkes. Mit ihnen verwies er auf Zerfall und Vergänglichkeit. Häufig bediente er sich alltäglicher Materialien und Gegenstände oder arbeitete mit Objekten aus Papier. Roth organisierte viele Ausstellungen, sowohl in Eigenregie als auch gemeinsam mit anderen Künstlern. Seit 1960 arbeitete er eng zusammen mit Richard Hamilton, Daniel Spoerri, Stefan Wewerka, Arnulf Rainer u.a. Er hinterließ eine umfangreiche Sammlung an eigenhändig überarbeiteten Postkarten und führte intensive Briefwechsel - die Korrespondenz mit Dorothy Iannone ist in der Ausstellung eindrucksvoll präsentiert.

Jede Studie, jede Schöpfung, jede neu entwickelte Technik entfaltet sich bei Dieter Roth als ‚Markenzeichen’ seiner Spontaneität. Seiner Fantasie gibt er Ausdruck in melancholischen Farben, die er mit dem nötigen ‚fransigen’ Humor umgibt, ohne die Harmonie zu stören. Bauen und Vernichten, Zerfall und Transformation, Akkumulierung und Reproduktion bilden die Quintessenz seines Werkes.

Dieter Roth starb 1998 in Basel. Besonders in seinen letzten Lebensjahren verband ihn eine tiefe Freundschaft mit Jan Ahlers.

Die Ausstellung wird kuratiert von Jan Hoet. Der 1936 geborene Belgier machte sich unter anderem 1986 mit der Ausstellung „Chambres d´Amis“ einen Namen. 1992 war er künstlerischer Leiter der documenta IX in Kassel. Das von Hoet aufgebaute Stedelijk Museum voor Actuele Kunst in Gent gehört zu Europas renommiertesten Häusern für Gegenwartskunst. Für seinen „Mut, Kunst auf ungewöhnlichen Wegen der Öffentlichkeit nahe zu bringen”, wurde er im Herbst des vergangenen Jahres mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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